Vorstand

Der Oberligist holt neue Spieler und verlängert Verträge mit wichtigen Akteuren vorzeitig und langfristig. Umbruch? Dieses Wort kann Jens Stieghorst nicht mehr hören. Der Präsident von Ratingen 04/19 kam in den vergangenen Jahren beim Oberligisten kaum um dieses Thema herum: Ständig war es im Sommer ein großes Kommen und Gehen. Mal freiwillig, mal weniger. Stieghorst hat genug. Und deshalb basteln er und Trainer Karl Weiß bereits frühzeitig am Kader für die kommende Saison.

Die wichtigste Entscheidung wurde zuerst getroffen: Karl Weiß bleibt Trainer beim RSV. Er erhält jedoch eine - für die Oberliga - prominente Unterstützung. Mark Zeh wird nämlich von den Sportfreunden Siegen nach Ratingen wechseln. Der defensive Mittelfeldspieler kommt mit der Empfehlung von insgesamt 172 Regionalliga-Spielen sowie fast 200 Oberliga-Partien. "Mark ist aktuell noch Profi", sagt Stieghorst dazu. "Wir bieten ihm an, bei uns den ersten Schritt als Trainer zu machen, deshalb kommt er zu uns." Der 33Jährige, der für zwei Jahre unterschrieben hat, soll als spielender Co-Trainer auf dem Platz fungieren und in Ratingen seine ersten Trainer-Lehrgänge machen.

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Angefressen stampften sie vom weich-nassen Rasen im Stadion, die Spieler von Ratingen 04/19. Phil Spillmann schüttelte den Kopf und murmelte Sätze wie "Wir sind einfach zu doof". Andere Akteure gaben ähnliche Verlautbarungen von sich. Freude über den Punktgewinn beim 3:3 gegen den SC West gab es keine - ganz im Gegenteil: Dumme Fehler kosteten den RSV den Sieg. Und das brachte eben nicht einen Punkt, sondern kostete am Ende zwei Zähler. "Der Punktverlust war auf keinen Fall nötig", resümierte Trainer Karl Weiß. "Aber wenn man direkt zu Spielbeginn schon zwei sehr vermeidbare Gegentore bekommt, wird es schwer." Tatsächlich kamen die Gäste aus Düsseldorf-Oberkassel viel besser in die Partie. Die Tore bekamen sie dennoch geschenkt: Beim 0:1 prallte der Ball vom Innenpfosten ganz unglücklich an den Rücken von Torhüter Dennis Raschka. Und beim 2:0 servierte die RSV-Abwehr den West-Angreifern den Ball quasi auf dem Silbertablett. Den ersten Schuss hielt Raschka noch überragend, doch beim Nachschuss von Ordelheide war er machtlos.

So rannte 04/19 einem frühen Rückstand hinterher. Und wer die Ratinger kennt, der weiß: Das ging in dieser Saison noch nicht so wirklich gut. Kein Spiel drehte der RSV nach Rückstand. Bis gestern. Ismail Cakici gab nach 25 Minuten das erste Lebenszeichen mit einem wunderschönen Kopfballtreffer ab. Und fast hätte Yannik Wollert mit einem wunderschönen Schuss aus 35 Metern noch vor der Pause ausgeglichen - sein Geschoss knallte jedoch an die Latte. Auch Fatih Özbayrak hätte treffen können. West-Torhüter Siebenbach verlor vor dem Strafraum plötzlich den Ball, doch Özbayrak war von dem Geschenk offenbar so überrascht, dass er den strauchelnden Keeper nicht überwinden konnte. Insgesamt waren die Gastgeber in ihren Aktionen etwas zu umständlich, zu oft war der letzte oder vorletzte Pass zu kurz oder zu unpräzise.

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Der Fußball-Oberligist kassierte gegen mittelmäßige Hiesfelder eine 1:2-Schlappe. Hinten wackelte es gehörig. Es passte zum merkwürdigen Nachmittag im Ratinger Stadion, dass nicht mal über den einzigen Treffer der Hausherren richtig gejubelt werden konnte: Carlos Penan schoss aufs Tor, es sah auch so aus, als hätte er das Tor getroffen. Doch weil der Ball irgendwie plötzlich hinter dem Tor über die Tartanbahn hoppelte, jubelte keiner - bis auf die Spieler. Irgendwann zeigte auch Schiedsrichter Jörg Jörissen auf die Mitte: Der Ball war im Tor - ging aber durch ein Loch im Netz wieder raus. Der Materialfehler passte zum Nachmittag im Stadion. Denn wie das Netz im Tor war auch die RSV-Defensive extrem löchrig - und so unterlag das Team von Trainre Karl Weiß dem TV Jahn Hiesfeld 1:2.

Weiß hatte aufgrund einiger Verletzungen eine erneut umgebaute Abwehrkette aufgeboten. Außenstürmer Yannik Wollert verteidigte aushilfsweise rechts, Tolga Erginer links, in der Mitte standen Phil Spillmann und Dennis Dluhosch. Davor spielten Tim Manstein und Ole Päffgen auf der Doppelsechs. Doch irgendwas passte nie. Manstein ließ sich immer weit nach hinten fallen, die Außenverteidiger rückten dafür selbst in der Rückwärtsbewegung noch weit vor - und insgesamt war die Ratinger Defensive ein einziges Durcheinander. Beim Ausgleich, nur fünf Minuten nach dem 1:0, stand Top-Torjäger Kevin Menke viel zu frei. Und nur drei Minuten später hielt Abwehrspieler Dennis Dluhosch seinen Fuß in eine Flanke - und der Ball landete ganz oben im Tor.

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Torhüter Raschka rutscht beim 0:2 in Bocholt ein Ball durch. Trainer Weiß ist insgesamt nicht ganz glücklich. Jeder Mensch macht Fehler - und manche davon können richtig weh tun. So zum Beispiel bei Dennis Raschka. Der Torhüter von Ratingen 04/19 spielt eine bärenstarke Saison. Doch ausgerechnet gestern im Top-Spiel des Tabellenvierten beim Dritten FC Bocholt patzte der sonst so starke Schlussmann des Oberligisten: Er kassierte einen haltbaren Schuss von Andre Bugla zum 0:1 - ein Rückstand, von dem sich der RSV bei der 0:2-Niederlage nicht mehr erholte. "Das war richtig dämlich", sagte Raschka. "Der Ball war echt haltbar, prallt von mir aber irgendwie hoch, dann an den Oberschenkel und dann ins Tor. Den muss ich klar haben, und da kann ich mich nur bei der Mannschaft entschuldigen."

Trainer Weiß sah jedoch auch die Mannschaft in der Pflicht. "Wir können nicht so gut mit einem Rückstand umgehen", sagte er. "Das ist leider nie gut für uns." Und um so ärgerlicher, weil der RSV bis zum 0:1 eigentlich gut in der Partie war - der Gegentreffer war der erstbeste Torschuss der Gastgeber. "Danach haben wir uns irgendwie in die Pause gerettet", sagte Weiß, der Glück hatte, dass der Schiedsrichter einen eigentlich bereits gegebenen Elfmeter gegen Ratingen wieder zurücknahm. "Da hat uns Dennis Raschka mit einigen guten Paraden im Spiel gehalten", betonte Weiß. Der Unglücksrabe wollte davon nichts hören. "Ich kann noch so viele Bälle halten - der eine Fehler tut dafür trotzdem richtig weh."

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Der Fußball-Oberligist verbuchte Mittwoch sein erst drittes Remis der Saison. Sonntag kommt Jahn Hiesfeld. Spektakel oder Punkte? Fragt man Karl Weiß, könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Trainer von Ratingen 04/19 beides fast gleich gewichtet. "Wer an einem Mittwochabend bei strömendem Regen ins Stadion kommt, dem müssen wir auch etwas bieten", sagt der Coach des Fußball-Oberligisten. "Der will kein langweiliges Geschiebe mit vielleicht einem Tor sehen. Und da besteht manchmal halt auch ein Risiko." So wie eben am Mittwoch, als der RSV gegen den SC West "nur" 3:3 spielte. Abwehrfehler begünstigten die Gegentore. "Aber für den neutralen Zuschauer war das doch ein flottes Spiel", betonte Weiß.

Das stimmt. Sechs Treffer versöhnen auch mit Dauerregen. Und flott war das Spiel tatsächlich, zumal beide Teams am Ende noch hätten gewinnen können. Nur wurde gegen die Düsseldorfer auch wieder ersichtlich, warum 04/19 trotz einer insgesamt guten Saison noch kein Spitzenteam der Liga ist: Zu viele einfache Ballverluste oder Abwehrfehler begünstigen zu viele Gegentreffer. Beispiel Mittwoch: Das 0:1 resultierte aus einem Missverständnis zwischen Tim Manstein und Phil Spillmann, beim 0:2 vertändelte Manstein den Ball als letzter Mann. Und beim Ausgleich zum 3:3 geschah zuerst der Fehler im Aufbauspiel, dann wurden sowohl der Flankengeber als auch der Torschütze nur begleitet - und nicht angegriffen.

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Der Oberligist tritt am Sonntag beim 1. FC Bocholt an. Trainer Karl Weiß warnt vor allen Dingen vor der gegnerischen Stärke bei Standard-Situationen. Seit der 1:4-Niederlage aus der Hinrunde haben sich viele Dinge positiv verändert. Keine Standards, keine Gegentore: Ganz so einfach ist es dann doch nicht, wenn Karl Weiß über die Erfolgsformel für die die Partie des Oberligisten Ratingen 04/19 am Sonntag (15 Uhr) beim 1. FC Bocholt spricht. "Das wird ein super-schweres Spiel", sagt der Trainer. Ungern erinnert sich Weiß zurück an das Hinspiel, das der Oberligist im Oktober des vergangenen Jahres deutlich mit 1:4 verlor. Der damalige Knackpunkt: Ein Gegentor nach einem Freistoß. "Bocholt verfügt über große, starke Spieler, die nur schwer zu verteidigen sind. Wir müssen Standardsituationen gegen uns möglichst vermeiden", betont Weiß.

Zwischen dem Hin- und dem Rückspiel liegen jedoch sechs Monate- eine Zeit, in der Ratingen aus einem miserablen Start eine erfolgreiche Saison gemacht hat. Die jüngsten drei Siege haben die Blau-Gelben auf den vierten Rang und damit auf die beste Platzierung der gesamten Saison gespült. Plötzlich ist aus dem Spiel gegen Bocholt ein Duell der Tabellen-Nachbarn geworden. Oder auch ein Spiel gegen eine Mannschaft, die vor einigen Monaten punktetechnisch so weit weg war wie Schalke 04 von den Champions-League-Plätzen.